Bündnerflaisch-Bio
Ulässig – was susch?
Dass Bündnerflaisch leckere Sound-Häppchen servieren, hat sich mittlerweile auch jenseits des Pizockel-Grabens herumgesprochen, locker und mit ihrem ureigenen Charme hat die Churer Mundartband auf ihren ersten zwei Alben in der ganzen Deutschschweiz von sich reden gemacht. Die sorgfältige Aufbauarbeit erf...
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Bündnerflaisch-Bio
Ulässig – was susch?
Dass Bündnerflaisch leckere Sound-Häppchen servieren, hat sich mittlerweile auch jenseits des Pizockel-Grabens herumgesprochen, locker und mit ihrem ureigenen Charme hat die Churer Mundartband auf ihren ersten zwei Alben in der ganzen Deutschschweiz von sich reden gemacht. Die sorgfältige Aufbauarbeit erfährt mit CD Nr. 3 „Ulässig“ einen vorläufigen Höhepunkt: Bündnerflaisch spielen sich entspannt und locker durch aufgestellte Popnummern, funkige Rocksongs und herzerwärmende Balladen. Vokalakrobatik darf ebenso wenig fehlen wie das ungehemmte Bekenntnis zur universellen Liebe.
Ok, „Cool“, „Voll geil“ oder „Krass, Mann“ hätten sich auch dazu geeignet, als Titel fürs dritte Bündnerflaisch-Album herzuhalten. Aber von aktuellen Trends halten die sympathischen Bündner Musikanten ebenso wenig wie vom Versuch, auf dem Zeitgeist-Zug mitzufahren und gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Deshalb nennen die Südostschweizer ihren neuen Longplayer denn auch treffend „Ulässig“. Warum? Weil das Album genau so klingt, wie es der Titel verspricht!
Kreativwochenende auf der Alp oder eine Reise in die Rock’n’Rollmetropolen brauchten Sergio Greco und Michi, das Songwriter-Duo hinter Bündnerflaisch, nicht, um Ideen für „Ulässig“ zu sammeln. Einen Marketingplan erst recht nicht, denn wie immer schrieben die beiden aus dem Bauch heraus. Michi, der Oberwalliser mit Innerschweizer Vergangenheit, lieferte wunderbare Melodien, die Greco zu Texten inspirierten, die wie immer voll aus dem Leben schöpfen. Das Resultat klingt genau so, wie es die Bündnerflaisch-Fans von ihren Lieblingen gewohnt sind. „Ich denke, dass wir wieder zum Groove der ersten Platte zurückgekehrt sind“, erklärt der Bündnerflaisch-Sänger. Mit anderen Worten: bravourös ist der Spagat zwischen funkig groovenden Poprocksongs und besinnlichen Balladen gelungen. Da trifft pure Lebenslust und Wortwitz auf besinnliche Melancholie, ergänzt durch politisch nicht ganz Korrektes („Nid Amerika“, ein eigenwilliges Cover von James Browns „Living In America“), italienische Texte oder Grecos irrsinnige, arabisch angehauchte Vokalakrobatik. Grecos Botschaft von der universellen Liebe findet sich auf „Wäge diar“, dem Song, mit dem er sich emotional am meisten identifiziert.
Ganz so einfach und luftig, wie sich das Resultat anhört, war die Umsetzung der Ideen des Kreativduos Greco/ Michi nicht. Wieder einmal mussten neue Musiker gefunden werden, die den Spagat schafften, gleichzeitig Rock, Funk und Balladen spielen zu können. Mit dem Berner Schlagzeuger Tom Beck (Paul Camilleri, Gölä) und dem Innerschweizer Gitarrist Paul Etterlin (Angelheart, Steve Thompson) konnten schliesslich zwei versierte und routinierte Musiker gefunden werden, die perfekt zum Bünderflaisch-Sound passen. „Wir sind extrem happy, dass die beiden den Weg zu uns gefunden haben“, frohlockt Sergio Greco. „Wir möchten uns aber auch bei den ehemaligen Bandmitgliedern bedanken, die extrem wichtig waren und Teil der Entwicklung von Bündnerflaisch sind.“
Mit „Ulässig“ hebt eine Band ab, die sich noch unabhängiger als bisher präsentiert. Von der letzten Plattenfirma haben sich die Bündner gelöst, die CD wurde alleine und mit der Hilfe von Sponsoren finanziert realisiert, die hundertprozentig hinter Bündnerflaisch stehen. Kontinuität wurde wie immer gross geschrieben, Bündnerflaisch sind eine Band der kleinen Schritte. „Wir kommen langsam, wir schiessen wie Pilze aus dem Boden“, wie Greco scherzt.
„Ulässig“ schreit geradezu danach, auf die Bühne gebracht zu werden. „Wir freuen uns wie kleine Goofen, wieder zu spielen“, lacht Greco und denkt dabei an eine Unplugged-Tour zu zweit durch Bündner Kirchen zurück, die im Winter ein Überraschungserfolg war. Dass es diesmal mit der ganzen Band ein bisschen wilder und lauter zu und her geht, versteht sich von selber. „Ulässig“ wird’s bestimmt!
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